1. Tätigkeit/Berufsbild/Einsatzbereiche

Chemikant/innen befassen sich mit

  • Herstellung unterschiedlicher Produkte in großtechnischen Produktionsbetrieben und Technika
  • Überwachung und Steuerung von Produktionsabläufen, z. B. computerunterstützte Bedienung von Produktionsanlagen mittels Prozessleitsystemen in Prozessleitständen
  • Bedienung von Apparaten und Anlagen zur Prozessführung
  • Mitwirkung bei der Wartung und Störungsbeseitigung in chemisch-technischen Anlagen

 

Sie arbeiten hauptsächlich in Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie, in Chemiefaserwerken, bei Produzenten von Kosmetika oder bei Unternehmen der Mineralölverarbeitung, z. B. bei Herstellern von Grundchemikalien, Pharmazeutika,  Kunststoffen, Düngemitteln, Farbstoffen und Lacken, Klebstoffen, Baustoffen, Pflanzenschutz- und Desinfektionsmitteln, z. T. auch in Forschung und Entwicklung.

 

2. Voraussetzungen

  • mindestens guter Hauptschulabschluss
  • Interesse für naturwissenschaftliche Sachverhalte
  • gutes technisches Verständnis
  • handwerkliches Geschick
  • gute Deutschkenntnisse
  • Teamfähigkeit

 

3. Ausbildungsinfos

Chemikant/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Die Berufsbezeichnung lautet: 

Chemikant bzw. Chemikantin, englisch: Chemical technician (m/f)

Ausbildungsdauer
Die bundesweit geregelte Ausbildung dauert im Regelfall 3 ½ Jahre und kann bei guten Leistungen nach 3 Jahren (bei Abiturienten bereits nach 2 ½ Jahren) vorzeitig abgeschlossen werden. 

Ausbildungsform
Duale Ausbildung bei dem der zeitlich umfangreichere, praxisnahe Teil beim Arbeitgeber oder in Ausbildungszentren und der mehr theoretische Teil in der Berufsschule, an der Paul-Ehrlich-Schule in Blockform (2 Wochen Schule, 4 Wochen Betrieb oder Ausbildungszentrum) vermittelt wird.

Prüfung
Geteilte Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer, d.h. am Ende des zweiten Ausbildungsjahres erfolgt die erste Teilprüfung und am Ende der Ausbildung die zweite. Beide Prüfungsergebnisse fließen in die Abschlussnote ein.

Die Prüfungen bestehen aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Im Theorieteil werden sowohl fachliche Inhalte als auch allgemeine wie Wirtschaft und Sozialkunde geprüft. Im praktischen Teil sollen die Auszubildenden z.B. Messungen durchführen, Proben nehmen, Anlagenteile inspizieren und warten, Anlagen bedienen und fahren etc.

Zulassungsvoraussetzung ist die Abgabe eines vollständigen Berichtsheftes, in dem der Auszubildende schriftlich dokumentiert hat, was er an jedem Tag in der Ausbildung gemacht hat.

 

- Ausbildungsinhalte:

Ausbildungsbetrieb

Im 1. Ausbildungsjahr lernen die Auszubildenden beispielsweise:

  • wie man Stoffkonstanten, insbesondere Viskosität, Brechzahl und Schmelztemperatur, bestimmt und auswertet
  • wie man Feststoff-Flüssigkeitsgemische vor allem durch Sedimentieren und Filtrieren trennt
  • wie man Rohre und Rohrleitungsteile verbindet und abdichtet
  • wie man Druck, Differenzdruck, Füllstand, Durchfluss, Menge und Temperatur misst
  • wie Fördermittel ausgebaut, eingebaut und in Betrieb genommen werden
  • wie man Produktionsprozesse einschließlich der Ver- und Entsorgung beschreibt und Umweltschutzmaßnahmen berücksichtigt

 

Während des 2. Ausbildungsjahres wird den Auszubildenden u.a. vermittelt:

  • wie man betriebsübliche Analyseverfahren, insbesondere fotometrische oder chromatografische, anwendet und auswertet
  • wie man Gemische durch Umkristallisieren und Destillieren reinigt
  • wie man Elementen eines Regelkreises Funktionen zuordnet
  • wie man Anlagen oder Teilanlagen anfährt, abfährt und im Rahmen der Betriebsanweisung fährt

 

Im 3. und 4. Ausbildungsjahr lernen die Auszubildenden:

  • wie man Geräte und Anlagen zum Destillieren und Rektifizieren, zum Sedimentieren, Zentrifugieren und Filtrieren unterscheidet und einsetzt
  • wie man logische Grundschaltungen aufbaut und prüft
  • wie Prozessabläufe dokumentiert werden
  • wie man Produktionseinrichtungen instand hält
  • wie man Programme für speicherprogrammierbare Steuerungen eingibt und testet

Darüber hinaus lernt man die Fertigkeiten und Kenntnisse, die in den vier ausgewählten Wahlqualifikationen vermittelt werden.

 

Während der gesamten Ausbildung wird den Auszubildenden Folgendes vermittelt:

  • Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht
  • Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes
  • betriebliche Maßnahmen zum verantwortlichen Handeln (Responsible Care): Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Anlagensicherheit, Umweltschutz, Qualitätsmanagement, Kundenorientierung, kostenorientiertes Handeln
  • Arbeitsorganisation und Kommunikation: Planen und Steuern von Prozess-, Betriebs- und Arbeitsabläufen, Arbeiten im Team, Informationsbeschaffung und Dokumentation, Kommunikations- und Informationssysteme

 

Berufsschule

Folgende Pflichtlernfelder sind Gegenstand des theoretischen Unterrichts:

  • LF01 Stoffe vereinigen und zur Reaktion bringen
  • LF02 Stoffsysteme trennen und reinigen
  • LF03 Stoffgrößen und Stoffzustände in der Produktionsanlage erfassen
  • LF04 in der Produktionsanlage Arbeitsmittel bedienen und instand halten
  • LF05 Prozesse kontrollieren und dokumentieren
  • LF06 Stoffsysteme thermisch trennen
  • LF07 organische Grundchemikalien handhaben
  • LF08 Gehaltskontrollen und Qualitätsprüfungen durchführen
  • LF09 Stoffgemische mechanisch trennen
  • LF10 Stoffsysteme durch Destillation trennen
  • LF11 Stoffsysteme durch Rektifikation trennen
  • LF12 Produkte großtechnisch herstellen
  • LF13 Prozesse beeinflussen
  • LF14 Produktionsprozesse fahren und überwachen

 

Dazu kommen Wahlpflicht-Lernfelder, welche die Inhalte der Pflichtlernfelder vertiefen und ergänzen. Hier wird in Zusammenarbeit von Schule und Ausbildungsbetrieb eine z. B. standortbezogene Auswahl getroffen.

  • WLF01 Stoffsysteme thermisch aufarbeiten
  • WLF02 Stoffsysteme mechanisch aufarbeiten
  • WLF03 Stoffe vereinigen
  • WLF04 Produktions- und Verarbeitungsprozesse planen und Anlagen in Betrieb nehmen
  • WLF05 Automatisierungssysteme bedienen und warten
  • WLF06 Analytisch arbeiten und Stoffe aufarbeiten
  • WLF07 Stoffe lagern und transportieren
  • WLF08 Produkte mit biotechnischen Methoden gewinnen
  • WLF09 Elektrotechnische Arbeiten an Produktionsanlagen durchführen
  • WLF10 Internationale Kompetenz entwickeln

 

Zusätzlich zu den fachbezogenen Lernfeldern werden folgende allgemeinbildende Fächer z. T. während der gesamten Ausbildung unterrichtet:

  • Politik und Wirtschaftskunde (Wirtschaftskunde ist auch Prüfungsfach)
  • Deutsch
  • Englisch
  • Sport
  • Religion

 

Besonderheiten an der Paul-Ehrlich-Schule:

 

Lernortkooperation mit Ausbildungszentren
Projekt Zerkleinerung/Siebanalyse – siehe Link

 

Förderung der internationalen Kompetenz
Vermittlung eines Lernfeldes z. T. in englischer Sprache

 

Spezifische Projekte zur Vertiefung des Fachunterrichts
Anlagenplanung (Erstellung von Fließschemata mit CAD)
Softwaregestützte Grafcet-Schulung
Steuern und Regeln an praxisnahen Schulungsanlagen

 

Besuch der ACHEMA (weltgrößte Fachmesse für Chemietechnik)und des obligatorischen Messestandes unserer Schule


Musterstundenplan

Lernfeldverteilung Organigramm

 

 

 - Verdienst:  

Bruttoverdienst während der Ausbildung: (Stand 2013)
(Abhängig von Ort, Branche und Betrieb)

1. Ausbildungsjahr 797 €/mon
2. Ausbildungsjahr 854 €/mon
3. Ausbildungsjahr 930 €/mon
4. Ausbildungsjahr 994 €/mon


Bruttoverdienst nach der Ausbildung:

(Abhängig von Ort, Branche Betrieb und Alter)

meist zwischen 2500 € bis 3000 € pro Monat

Nach Erreichen der Volljährigkeit ist Schichtarbeit möglich. Das bedeutet sehr anstrengende 8–12 Stunden Schichten, Nacht- und Wochenendarbeit, aber auch Zuschläge die den Verdienst ziemlich auf stocken.

 

- Weiterbildung:

Schon während der Ausbildung können an der PES unter bestimmten Voraussetzungen und durch zusätzlichen Unterricht folgende Schulabschlüsse erworben werden:

- Realschulabschluss
- Fachhochschulreife

Nach der Ausbildung können an der Paul-Ehrlich-Schule bei gegebenen Voraussetzungen folgende Fortbildungsmöglichkeiten genutzt werden:

- Fachoberschule für chemisch/physikalische Technik, Vollzeitform (1 Jahr), Jahrgangsstufe 12. Ziel: Erwerb der Fachhochschulreife

- Fachschule für Technik
Biotechnik und Chemietechnik (Schwerpunkte: Labortechnik und Produktionstechnik)
Teilzeitform, 8 Semester (4 Jahre). Abschluss: staatlich geprüfte(r) Techniker(in)           

Ferner bestehen außerhalb der PES weitere Fortbildungsmöglichkeiten:

- Spezialisierungen wie z.B. Schichtführer(in), Qualitätskontrolleur(in), Betriebspädagoge(in)
- Industriemeister(in) Chemie
- Technische(r) Betriebswirt(in)
- Studium (z. B. Verfahrenstechnik, Biotechnik, Chemietechnik)

   

Anmeldung